August 2007


Der Psychiater Hector kann seinen Patienten zwar zuhören, aber er schafft es nicht sie glücklich zu machen. Also begibt er sich auf eine Reise um auf verschiedenen Kontinenten Auslöser für das Glück zu suchen.

Lelord hat mit diesem schmalen Roman seine Reihe über Hector begonnen. Ein nettes kleines Büchlein für heisse Tage. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Auf dem Einband wird Elke Heidenreichs Schwur zitiert, dass man glücklich ist nachdem man dieses Buch gelesen hat. Meine Glücksgefühle sind da anscheinend anspruchsvoller, sie wollen berührt werden und dafür war mir das Buch dann doch irgendwie zu oberflächlich.

Die Stimmen sind ja sehr unterschiedlich aber ich bin auf der Coehlo Seite – seine Bücher haben mich glücklich gemacht, vorallem der Alchimist. Ebenfalls zu empfehlen wenn man es auch „esoterisch“ mag Ella Kensington und James Redfield.

Mein Lieblingsbuch dieses Jahr bisher hat neben Fernweh auch Glücksgefühle ausgelöst:

„Eat, Pray, Love“ von Elizabeth Gilbert

Wiedergelesen habe ich dieses Jahr und war sofort wieder verzaubert von Lucy Maud Montgomerys Anne – Reihe.

Francois Lelord: “ Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück.“ München: Piper, 2004

gerade hab ich das Buch fertig gelesen und die beiden letzten Kapitel waren, obwohl sich die story über den ganzen roman stetig aufgebaut hat, doch so überraschend entsetzlich, dass mir die Luft weggeblieben ist, ich ewig dafür gebraucht habe und jetzt wie betäubt bin…..

…trotzdem muss ich dem Zitat aus der Zeitschrift Brigitte recht geben, dass dieser Roman „psychologisch, philosophisch und nicht zuletzt literarisch brillant (ist)…Man jagt durch dieses Buch, will es weitergeben und empfehlen, noch bevor man es zu Ende gelesen hat – und danach erst recht.“

Kurz zusammengefasst versucht Eva in Briefen an ihren Mann herauszufinden warum ihr Sohn Kevin kurz vor seinem 16. Geburtstag 9 Menschen in seiner Schule getötet hat.

Schon kurz nach der Geburt stellt Eva fest, dass die „natürliche“ Bindung zwischen ihr und Kevin nicht vorhanden ist – zu Beginn scheint dies für die Außenwelt nicht weiter schlimm, denn es gibt ein Wort dafür „prenatale Depression“ – der Alptraum jeder schwangeren Frau. Doch auch im Laufe der nächsten Jahre stellt sich diese Bindung nicht ein – weder bei Eva noch bei Kevin. Shriver bricht mit dem Mythos „der wunderbaren, zärtlichen, engen Beziehung zwischen Mutter und Kind“.

Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist das genaue Gegenteil: sie unternehmen viel gemeinsam, sind richtige Kumpels und Kevin wird immer von Franklin verteidigt – doch der Schein der perfekten Beziehung wird von Shriver aufgedeckt: Franklin kennt seinen Sohn nicht, er lebt mit ihm einfach seine Vorstellung von der glücklichen Familie ohne Rücksicht auf die Realität und Kevin hasst und verachtet ihn dafür.

Die Autorin stellt Fragen, denen wir uns alle eigentlich nicht stellen wollen obwohl sie durchaus begründet sind: Was passiert wenn mein Kind von Geburt an keinen Sinn im Leben sieht? Was passiert wenn ich mein Kind nicht lieben kann? Was, wenn mich mein Kind nicht liebt? Wieweit ist die Persönlichkeit eines Kindes von Geburt an geformt und was wenn ich darauf keinen Einfluss nehmen kann? Was, wenn mein Kind „böse“ ist und mir niemand glaubt? Was ist in unserer Gesellschaft ehrlich?

Shriver gibt niemandem die Schuld an der Tat Kevins, sondern versucht vielmehr ein dicht gewebtes Spinnennetz von Einflüssen und Auslösern darzustellen.

Bewunderung habe ich auch für die Autorin sich auf diesen Stoff soweit einzulassen.

Diesen Roman kann man nicht zusammenfassen sondern nur als wichtiges Buch, mit aktuellen Themen, dringend weiterempfehlen.

Lionel Shriver „Wir müssen über Kevin reden.“ Berlin: List, 2007

…leider wird dieses Thema noch immer nicht ausreichend in der Öffentlichkeit diskutiert …z.B. in kaum einer Kritik die ich über den Film „Blood Diamonds“ gelesen haben, wurde herausgearbeitet das sich dieser Film auch damit beschäftigt. Ich muss gestehen ich habe auch erst im Zuge einer Seminararbeit davon erfahren. Hier mal mein erster, kleiner Versuch Quellen dazu anzugeben:

auf 3 Sat kommt am 29.8. um 21:00 die Doko „Lost Children“ über Kindersoldaten in Uganda wurde leider durch eine Doku über die Copacabana ersetzt – soviel zum Thema öffentliche Diskussion……..

Buchempfehlungen:

Keitetsi, China: „Sie nahmen mir meine Mutter und gaben mir ein Gewehr.“ München 2003, Ullstein (autobiographisch)

siehe auch: www.chinakeitetsi.info


Ahmadou: „Allah muss nicht gerecht sein.“ München 2004, Goldstein

neu erschienen und noch nicht gelesen:

Beah, Ishmael: „Rückkehr ins Leben. Ich war Kindersoldat.“ Campus Verlag