E.M. Forster: Room with a view.

Leider habe ich nicht das englische Original, sondern die furchtbare Übersetzung von Werner Peterich gelesen. Man muss sich durch Sätze wie

„Gleichwohl – irgend etwas in ihr löckte wider den Stachel“ [1]S. 26 oder „Sie hatte das Gefühl, nachgerade zuviel Zugeständnisse gemacht zu haben und entschuldigte sich eilends für ihre Duldsamkeit“ S. 60 [2]

oder Wortkreationen wie „etwas darwider haben“ S.95 und „herzugelaufen kommen“ S. 101 durchkämpfen bzw. diese Sätze ignorieren um die eigentliche Geschichte zu finden.

Florenz um 1900. Die Engländerin Lucy Honeychurch besucht gemeinsam mit ihrer zur Anstandsdame bestimmten Cousine Charlotte als Touristin Italien. In der Pension Bertolini lernen die Beiden neben zwei älteren Damen und der Autorin Miss Lavish auch Herrn Emerson und seinen Sohn George kennen. Die Herren Emerson bieten den beiden an, die Zimmer zu tauschen, damit die Damen Zimmer mit Aussicht auf den Arno genießen können. Während Charlotte den beiden Herren ob ihres Standes sehr zweifelnd gegenüber steht, empfindet Charlotte vorerst für den Vater starke Sympathie.

Auf einem einsamen Spaziergang durch die Stadt wird Lucy Zeugin einer Messerstecherei und fällt in Ohnmacht. George, ebenfalls Zeuge des Mordes kann sie gerade noch auffangen und kümmert sich um sie. Wir wissen von Georges Vater, dass George am Sinn des Lebens zweifelt und zu Depressionen neigt. Während der wenigen Minuten in der Stadt verliebt sich George in Lucy und seine Lebenseinstellung ändert sich zum Positiven.

„Es war ja nicht nur so, dass ein Mensch gestorben war; den Lebenden war auch etwas widerfahren; sie waren in eine Situation geraten, in der man seinen eigenen Charakter beweist und wo die Kindheit die sich gabelnden Pfade der Jugendzeit betritt.“ S. 75

Während eines gemeinsamen Ausflugs in die Umgebung von Florenz küsst George Lucy. Charlotte beobachtet dies uns sieht als einzige Möglichkeit Lucy zu beschützen die sofortige Weiterreise nach Rom.

Zurück in England verlobt sich Lucy mit dem versnobten Cecil Vyse den sie in Rom kennengelernt hat. Im Ort steht ein Haus zu Miete frei und Lucy bemüht sich die beiden älteren Damen aus der Pension Bertolini dort unterzubringen. Doch um den Vermieter seine gesellschaftlichen Schranken zu weisen, erlaubt sich Cecil einen Scherz und vermittelt das Haus an die Emersons. Die Emersons werden Freunde von Lucys Familie und verkehren regelmäßig in ihrem Haus. Der Kuss in Florenz scheint ein Geheimnis zwischen Lucy, George und Charlotte zu bleiben. Doch leider hat Miss Lavish die Szene für ihren neuen Roman verwendet, der Lucy und George ausgerechnet von Cecil vorgelesen wird. Aus dieser Situation küsste George Lucy ein zweites Mal, Lucy wirft ihn aus dem Haus, erkennt aber zumindest, dass sie Cecil nicht heiraten kann. Sie beschließt mit den beiden Damen aus Florenz eine Griechenlandreise zu unternehmen. Erst durch ein Gespräch Georges Vater kurz vor der Abreise erkennt Lucy, dass sie George liebt. George und Lucy heiraten, der Roman endet in dem Zimmer mit Aussicht in Florenz, wo die beiden ihre Flitterwochen verbringen.

George, obwohl eine der Hauptfiguren, ist ein sehr flacher Charakter und lebt nur durch die Figur von Emerson senior, der unbeirrbar an das Gute im Menschen und an die Liebe glaubt und hofft dies an seinen Sohn weitergegeben zu haben.

Trotz Übersetzung finden sich auch in der deutschen Übersetzung einige schöne Sätze:

„Öffnen sie ihm die Augen darüber, das neben dem ewigen warum ein ja steht – ein vergängliches Ja, wenn sie wollen, aber ein Ja.“ S. 48

„[sie]wußte sehr wohl, dass Lucy sie nicht liebte, sondern sie brauchte um zu lieben.“ S.121

Der Roman wurde 1985 von James Ivory verfilmt. Die Rolle des eingebildeten Cecil wurde dabei von Daniel Day Lewis gespielt – Im Roman ist Cecil zwar auch durchaus mit negativen Eigenschaften gezeichnet; er ist überheblich, eingebildet und versnobt aber er hebt sich nicht sonderlich von den anderen Figuren ab. In der Darstellung von Daniel Day Lewis wird aus Cecil ein absolut armseliger Mensch, der in seiner Hochnäsigkeit gefangen ist. Vor allem im Vergleich zu Archer in „The Age of Innocence“, der ja in einer ähnlichen gesellschaftlichen Position ist, wird deutlich wie Daniel Day Lewis durch überzeichnete Bewegung und Gestik eine Witzfigur aus Cecil gemacht hat.

Anders als im Roman, kann Charlotte im Film ihren Teil zum glücklichen Ende beitragen.


[1] “And yet--there was  a rebellious spirit in her…”

[2] She felt she had made almost too many allowances, and apologized hurriedly for her toleration.

E.M. Forster: Zimmer mit Aussicht. Eine Liebesgeschichte. Frankfurt: Fischer Taschenbuch: März 2005

Veröffentlicht in: on April 13, 2008 at 1:21 Kommentar schreiben
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