Wer sich für Collage interessiert und schon immer wissen wollte wie wunderschöne Arbeiten gelingen, dem sei dieses Buch ans Herz gelegt. Nur im englischen Original Lieferbar, aber sprachlich nicht sehr schwer, da die Anleitungen gut gegliedert sind. Claudine Hellmuth verrät wie mit einfachen Mitteln (zum Teil in jedem Haushalt zu finden) Schicht für Schicht wunderschöne Collagen gemacht werden können. Ich bin gerade dabei die einzelnen Techniken auszuprobieren und es macht wirklich Spaß zu sehen wie man mit einem einfachen Tipp die Basis für ein Bild schaffen kann. In diesem Sinne:

Wünsch ich allen genau soviel Freude beim basteln, stempeln und kleben diverser Weihnachtsgeschenke. Ist übrigens auch unglaublich entspannend nach einem anstrengenden Arbeitstag!

Nachdem die Anzahl der Lesezeitdiebe in öffentlichen Verkehrsmitteln leider stetig zunimmt, habe ich schon vor einiger Zeit beschlossen Sie mit einer ihrer eigenen Waffen zu besiegen und mir einen einen I-Pod gegönnt um wenigstens Bücher hören zu können anstatt mit uninteressanten Telefongesprächen oder Bassüberbleibseln von Musik zugedröhnt zu werden. Warum ist es so schwer, den Sinn von Kopfhörern oder Ohrstöpseln zu verstehen? Für alle die es noch nicht verstanden haben, diese wurden erfunden damit man ganz für sich Musik hören kann ohne andere Menschen damit zu belästigen. Bei manchen Zeitgenossen hat man allerdings eher das Gefühl, sie haben Sie Lautsprecher auf die Ohren geschnallt. Und dem nicht genug, verzichten einige sogar ganz auf Ohrstöpsel und drehen gleich den Lautsprecher vom handy auf volle Lautstärke – was dabei qualitativ rauskommt kann man doch nicht mal mehr Musik nennen???? Dagegen sind die allbekannten Unnötigetelefongesprächeführer eigentlich schon fast langweilig geworden. Wobei manchmal sind ja doch recht interessante Gespräche dabei – nur leider sind diese Geschichten wie Fortsetzungsgeschichten ohne Fortsetzung, im spannendsten Moment hält der Bus an der Endstation und ich werde nie erfahren wie dieses Ehedrama zu Ende geht. Das wirklich interessanteste Gespräch, psychologisch echt wertvoll, wurde leider abgebrochen indem die Handyhalterin ihrer Gesprächspartnerin (nach dem Inhalt des Gespräches kann es nur die beste Freundin gewesen sein) entsetzt mitgeteilt hat, dass da auch noch andere Leute im Bus sind (darum heißen die Dinger ja auch Öffis) die das Gespräch mithören. Böse aber auch, haben wir uns wiedermal nicht die Ohren zugehalten…jedenfalls um wieder zurück zum eigentlichen Thema zu kommen, jetzt habe ich eine Waffe.

„Pride and Predjudice“ war mit einer Erzählzeit von fast 12 Stunden für den Anfang vielleicht nicht optimal gewählt, vor allem wenn man in der Früh nur 20min unterwegs ist, obwohl der Roman wirklich perfekt gelesen wurde – ist aber dann doch eher für längere Zugfahrten geeignet. Am Anfang ist es auch komisch einfach nur zuzuhören, ich hab mich furchtbar konzentrieren müssen damit ich nicht den Faden verliere.

„Ein Tag mit Herrn Jules“ dagegen war die perfekte Wahl für kurze Strecken. Alice findet eines Morgens ihren Mann tot im Wohnzimmersessel – er ist, nachdem er seiner Morgenroutine nachgekommen ist, beim Beobachten der Schneeflocken friedlich eingeschlafen. Sie informiert niemanden und verheimlicht seinen Tod vor der Nachbarin. Nur der autistische Nachbarsjunge darf zu Besuch kommen und erkennt die Wahrheit. Die nächsten 24 Stunden nimmt sie sich Zeit um sich in Ruhe von ihm zu verabschieden. Das Thema Sterben und Tod ist eigentlich nicht unbedingt etwas womit man sich auf dem Weg zur Arbeit beschäftigen will. In dieser Geschichte ist es Diane Broeckhoven allerdings gelungen, dem Tod den Schrecken zu nehmen, da viele Teile der Geschichte von Alltagsroutine handeln, verstärkt durch die Notwendigkeit von Routine für den autistischen David, wird der Tod in die Routine des Lebens eingebettet – er ist ein normaler Bestandteil des Lebens. Die Ruhe die Alice hat, natürlich auch um den endgültigen Abschied von Jules hinauszuzögern, hat die Autorin wunderbar sprachlich umgesetzt. Gelesen wird mit sanfter, einfühlsamer Stimme.

Ich denke, bei dieser Hörbuchausgabe war die Entscheidung den Roman zu hören, anstatt ihn zu lesen richtig, irgendwie führt die Vorleserin mit ihrer Stimme den Höhrer beruhigend durch den Abschied von Jules.

Aufmerksam wurde ich auf dieses kleine Büchlein anlässlich einer Dokumentation im Umfeld der Frankfurter Buchmesse. Inmitten der vielen Interviews die zu dieser Zeit im TV gezeigt wurden, ist mir Andrea Maria Schenkel sofort aufgefallen. Vor allem Ihre Art zu sprechen, vielmehr zu erzählen hat mich begeistert: ihre Mimik und Gestik und dazu eine ruhige, Details hervorhebende und nie langweilige Stimme, eine Geschichtenerzählerin mit bayrischem Dialekt. Soweit ich mich an das Interview erinnern kann, dürfte der Krimi auf einer wahren Geschichte beruhen, die man ihr selbst einmal erzählt hat.

Während der ersten Seiten von Tannöd hatte ich diese Art zu sprechen noch im Hinterkopf und fast das Gefühl, dass die Autorin mir die Geschichte vorliest. Die Geschichte spielt im Deutschland der 50 er Jahre in einfachem, bäuerlichen Milieu – mit den kurzen Sätzen in denen der Text geschrieben ist hat Andrea Maria Schenkel die Atmosphäre wunderbar eingefangen ohne dabei in einen billigen Schundroman abzurutschen.

Es ist ein kurzer Krimi, allerdings ohne klassischen Aufbau – die Morde passieren erst relativ spät, es gibt keinen Ermittler, vielmehr wird durch kurze Erzählungen der Dorfbewohner ein Bild gesponnen – erinnert ein bisschen an Bölls Gruppenbild mit Dame, wobei einer dieser Zeugen am Ende der Mörder selbst ist. Ohne Kompromisse zerstört sie nebenbei das Bild von der „Guten alten Zeit“ und dem idyllischen Landleben.

Vor allem durch das setting etwas Neues und genau das richtige für einen spannenden Nachmittag im Winter.

Information am Rande, die während der Buchmesse nie zur Sprache kam: der Autorin werden von dem Journalisten Peter Leuschner Vorwürfe wegen Plagiats gemacht – Schenkel habe von seinem Sachbuch abgeschrieben – allem Anschein nach konnten diese bisher aber abgewiesen werden.

Schenkel, Andrea Maria: „Tannöd“. Hamburg: Lutz Schulenburg, Edition Nautilus. 2005

Im Mittelpunkt des Romans steht die Beziehung zwischen Amir und Hassan. 1975, bevor sowjetische Truppen in Afghanistan einmarschiert sind, ist Amirs Vater (Baba) eine erfolgreicher Geschäftsmann und ein überall geachteter Mann. Hassan ist der Sohn des langjährigen Dieners von Amirs Vater Ali und lebt gemeinsam mit ihm in einer einfachen Hütte im Garten von Baba. Baba fühlt sich den Beiden tief verbunden, würde sie aber nie als Freunde bezeichnen. Amir und Hassan sind Milchbrüder (d.h. von der gleichen Amme gestillt) und verbringen ihre Freizeit miteinander. Hassan wird von Amir als gutmütiger und untertäniger Mensch beschrieben, der absolut ehrlich ist und „…unfähig, einem anderen Wesen Schmerz zuzufügen.“(S.16) Seinen Vater erfährt er als ehrbare, starke Persönlichkeit die sich die Welt nach den eigenen Vorstellungen formt. Vorstellungen denen Amir nicht gerecht werden kann. So bleibt ihm nichts anderes übrig als um die Achtung und Aufmerksamkeit des Vaters zu kämpfen. Jedes Interesse des Vaters für Hassan löst Eifersucht in ihm aus. Obwohl Hassan ein treuer und wichtiger Gefährte für Amir ist, beobachtet er sich selbst dabei wie er ihn bei jeder Gelegenheit durch Sticheleien demütigt.

Einen Wettbewerb im Drachensteigen zu gewinnen erscheint Amir als einzige Möglichkeit die Aufmerksamkeit des Vaters zu erlangen. Der Wettbewerb ist fast gewonnen, als Amir Hassan feige verrät. Der Verrat verändert das Leben beider und ihre Wege trennen sich. Mit dem Einmarsch der Sowjets spitzt sich die politische Situation in Afghanistan zu und Hassan flüchtet mit seinem Vater über Pakistan nach Amerika. Jahre später kehrt er in das vom Krieg zerstörte und von der Taliban kontrollierte Afghanistan zurück um sich seiner Vergangenheit zu stellen und seine Schuld zu tilgen.

Diese Ausgabe enthält einen Anhang für Lesekreise. Der Anhang enthält neben einem Interview mit dem Autor und Diskussionsfragen für Lesekreise (sollten nicht durch das Lesen des Romans genug Fragen bei den Leserinnen aufdrängen, brauchen wir wirklich Anleitungen um über ein Buch nachdenken zu können? – abgesehen davon, dass eine Frage ein spoiler ist) auch einen kurzen „Abriss der Geschichte Afghanistans“. Dieser kurze Abriss fasst die Geschichte von 1747 bis zum 18.September 2005 zusammen. Obwohl der Anhang für den Lesekreis erst 2006 hinzugefügt wurde und es sich bei dieser Ausgabe um die 18. Auflage vom August 2007 handelt, wurden die jüngsten Ereignisse nur sehr oberflächlich angedeutet: „Besonders in den Südprovinzen hält die Gewalt gegen Regierungskräfte und ausländische – vor allem US-amerikanische und britische – Truppen an (vgl. http://www.spiegel.de/flash/0,5532,11722,00.html 14102007) und nimmt durch die Unterstützung von militanten Gruppen aus dem Ausland sogar zu. Es ist zu erwarten, dass sie infolge der Programme zur Drogenbekämpfung weiter eskalieren wird.“(S.379) Es hat den Anschein, als wolle man durch aktuelle Fakten nicht zu sehr vom Ziel des Autors ablenken, den Lesern zu zeigen „…wie die Menschen in Afghanistan gelebt haben, bevor es den Krieg mit der Sowjetunion und die Taliban gab.“ (S.382). Dieses Anliegen ist Hosseini sehr gut gelungen und ich habe es als sehr erleichternd empfunden neben den täglichen Berichterstattungen, die nur Platz für Schreckliches haben und negative Gefühle hinterlassen, über Menschen, die nicht nur kategorisch als Opfer oder Täter dargestellt werden, und über Afghanistan als schönes und interessantes Land zu lesen.

Passend zu diesem Roman wurde auf ARTE gestern die Doku „Verlorene Schätze Afghanistans“ gezeigt. Die Doku zeigt u.a. unglaublich mutige Menschen die unter dem Taliban Regime, im Bewusstsein dass sie ihren Einsatz vielleicht mit Folter und ihrem Leben bezahlen müssen, afghanische Kulturgüter (Filme, Gemälde) vor der Zerstörungswut der Taliban gerettet haben.

Hosseini, Khaled: „Drachenläufer.“ Berlin: BvT, 2004

Hat jemand von Euch dieses Buch im Original gelesen? Würde mich interessieren wie es im Original sprachlich wirkt.

01.12.2007: In den letzten Tagen kommen immer wieder Leser auf der Suche nach diesem Buch auf meine Seite.

Seit so nett und schreibt mir ob ihr das Buch fertig gelesen habt und wie Euch der Roman gefallen hat! Danke

Vor zwei Jahren habe ich begonnen dieses Buch im Original zu lesen, bin aber nicht über das erste Kapitel hinaus gekommen. Roths Sprache hat meinen englischen Wortschatz überfordert; vor allem da keines meiner Wörterbücher eine rassistische Konnotation für “spooks” anführt habe ich damals keinen Einstieg in die Handlung gefunden.

Vor wenigen Wochen wurde die Verfilmung mit Anthony Hopkins und Nicole Kidman im Fernsehen gezeigt. Ich fand die Verfilmung oberflächlich und konnte mir nicht vorstellen, dass der Roman von Roth nur so wenig zu bieten hat und habe deshalb noch einmal zu lesen angefangen. Sprachlich ist mir sicher noch immer einiges entgangen und ich war mehrere Wochen mit dem Roman beschäftigt, aber ich hatte Recht, der Roman ist viel subtiler als der Film.

Der Film beginnt mit dem Ende und konzentriert sich auf die Geschichte von Coleman Silk, der zwar auch Protagonist im Roman ist, dort allerdings mit den anderen Charakteren stärker verwurzelt ist.“Der Sommer 1998 war der Sommer der Scheinheiligkeit. Nach dem Niedergang des Kommunismus und vor den Gräueln des Terrorismus gab es eine kleine Pause in der die Gedanken der Nation sich ums Schwanzlutschen drehten.” beginnt Zuckermann als Erzähler seinen Bericht. Coleman Silk, Professor für klassische Literatur, der erste Jude der dieses Fach in den USA unterrichten durfte, hat das mittelmäßige Athena College als Dean an die Spitze gebracht. Im Sommer der Scheinheiligkeit muss er das College verlassen, da er beschuldigt wird, eine rassistische Äußerung gegen zwei seiner Studenten vorgebracht zu haben. Er hat die beiden abwesenden Studenten als „spooks“ (dunkle Gestalten) bezeichnet ohne zu ahnen das Eine der Beiden Afroamerikanerin ist. Weder die junge französische Kollegin der er eine Chance am College gegeben hat, noch Herbert Kerble den er als ersten schwarzen Lektor angestellt hat, verteidigen ihn gegen die Vorwürfe. Er tritt zurück, kurz darauf stirbt seine Frau. In der Meinung dass der Verrat an ihm seine Frau umgebracht hat, wendet er sich an den Autor Zuckerman mit der Bitte seine Geschichte aufzuschreiben und so „den Mord“ an seiner Frau aufzuklären. Zuckerman und Coleman werden zwar Freunde, allerdings weigert sich Zuckerman die Geschichte zu schreiben und so übernimmt Coleman selbst die Arbeit. Erst als das Buch fertig geschrieben ist, erkennt Coleman das es sich dabei um ein sinnloses Unterfangen gehandelt hat. Ich denke, Coleman ist an seinem eigenen Geheimnis gescheitert. Wie sich durch Rückblenden herausstellt, ist Coleman kein Jude, sondern selbst ein Schwarzer, dem es aufgrund seiner hellen Haut gelungen ist, seine Abstammung zu verleugnen. Weder seine (weiße) Frau, noch seine Kinder haben jemals davon erfahren und um sein Geheimnis bewahren zu können, hat er jeden Kontakt zu seiner Familie abgelehnt. Zwei Jahre nach dem Tod seiner Frau, im Alter von 71 Jahren beginnt er eine Affäre mit Faunia. Faunia, erst 34 Jahre alt, Analphabetin und eine vom Leben zerstörte Frau ist nach allgemeiner Meinung nicht standesgemäß für Coleman. Die Hetzjagd gegen ihn breitet sich nun auch auf seine Kinder aus, die sich von ihm zurückziehen. Nachdem Coleman erkennt, dass er gegen diese Hexenjagd auch nicht mit Hilfe eines Anwaltes ankommen kann, ziehen sich die Beiden immer mehr von der Außenwelt zurück. Die beiden reduzieren, vor allem auf Wunsch Faunias, ihre Beziehung auf das Körperliche und es scheint als wolle Coleman am Ende seines erfolgreichen Lebens auch nicht mehr als körperliche Intimität mit dieser Frau. Der Beziehung wird ein jähes Ende gesetzt, als Lester,der Exmann Faunias die beiden von der Straße abdrängt und beide bei diesem Autounfall ums Leben kommen. Die Gerüchteküche macht auch vor dem Unfall keinen Halt und obwohl sich die Söhne Colemans bemühen seine Beerdigung so zu inszenieren, dass seine Ehre wieder hergestellt wird, kann erst die Recherche Zuckermans die ganze Wahrheit ans Licht bringen. Eine Geschichte in der Roth Coleman und seine Familie bei dem kläglichen Versuch scheitern lässt, sich selbst und ihre Angehörigen vom „menschlichen Makel“ reinzuwaschen. „…we leave a stain, we leave a trail, we leave our imprint. Impurity, cruelty, abuse, error, excrement, semen – there’s no other way to be here. Nothing to do with disobedience. Nothing to do with grace or salvation or redemption. It’s in everyone. Indwelling. Inherent. Defining. The stain that is there before its mark. Without the sign it is there. The stain so intrinsic it doesn’t require a mark. The stain that precedes disobedience that encompasses disobedience and perplexes all explanation and understanding. It’s why all the cleansing is a joke. A barbaric joke at that. The fantasy of purity is appalling. It’s insane. What is the quest to purify, if not more impurity…?[1] Roth legt diese Worte Faunia in den Mund, eine Frau, die wie sie selbst sagt, kein Interesse an Bildung hat und stattdessen losgezogen ist um das Leben zu sehen.

Natürlich ist es immer schwierig eine Romanvorlage zu verfilmen und ich verstehe auch, dass Vieles für eine Verfilmung gekürzt werden muss, aber in dieser Verfilmung ging die Tiefe des Romans gänzlich verloren.

Im Film sind Lester, Delphine und auch Faunia auf Nebenfiguren, die lediglich die Handlung vorantreiben, reduziert worden. Roth hingegen bietet einen eindringlichen Einblick in ihre Psyche und ihre Motivationen. Gerade in einem Roman bzw. Film mit dem Titel “Der menschliche Makel” können diese Motivationen nicht außer acht gelassen werden.

Lester ist im Film ein wahnsinniger Vietnam Veteran der seiner Exfrau Faunia nachstellt. Nur im Text wird das Thema Vietnam mit seinen Folgen für die Psyche der Betroffenen behandelt. Die Szene im chinesischen Restaurant, als es für Lester eine unglaubliche Herausforderung darstellt auch nur im gleichen Raum mit Asiaten zu sein fand ich sehr beeindruckend. Bisher habe ich nicht verstanden warum der Besuch einer Gedenkstätte für Hinterbliebene befreiend sein kann, der Besuch Lesters und der anderen Veteranen bei der mobilen Mauer hat mich aber tief berührt und mir klar gemacht, dass es dabei um die Auseinandersetzung mit dem Geschehenen geht.

Im Film wird Delphine, wenn überhaupt, als undankbare Verräterin dargestellt die Coleman zu Gunsten ihrer eigenen Karriere aus dem Weg räumen will. Natürlich gibt es auch im Roman keine Entschuldigung für ihr Verhalten, aber Roth stellt dar, dass jeder Mensch Motive hat die sein Handeln begründen auch wenn man seine eigenen Motive manchmal selbst erst zu spät erkennt. Wichtig finde ich auch, wie Roth Delphine innerhalb ihrer weiblichen Kolleginnen positioniert hat.

Anfangs war ich der Meinung, dass Nicole Kidman nicht die richtige Besetzung für Faunia ist. Mittlerweile denke ich aber, dass auch dieser Charakter im Film so stark beschnitten wurde, dass Nicole Kidman ihr Bestes gegeben hat. Was mich furchtbar gestört hat, war ihr ewiges Rauchen – interessant wie sich die Symbolhaftigkeit von Zigaretten in den letzten Jahren gewandelt hat – früher war die Zigarette im Film Symbol der Intellektuellen und Künstler, heute wird sie eingesetzt um genau das Gegenteil darzustellen. Vor allem die Szene in der Faunia für Coleman tanzt hätte im Film übernommen werden müssen um diese Rolle in ihrer vollen Bandbreite darstellen zu können. Die Szene erklärt warum die Beziehung zwischen Faunia und Coleman nicht anders laufen kann und vor allem, warum beide in diesem Augenblick genau diese Form von Beziehung brauchen.

Sehr schön und vor allem sehr gelungen fand ich im Film die Szene in der Coleman Zuckerman zum Tanz auffordert um ihn zurück ins Leben zu holen – für mich war das die beste Darstellung im ganzen Film.

Roth, Philip: „The human stain.“ London. Vintage: 2001


[1] S. 242

Der Psychiater Hector kann seinen Patienten zwar zuhören, aber er schafft es nicht sie glücklich zu machen. Also begibt er sich auf eine Reise um auf verschiedenen Kontinenten Auslöser für das Glück zu suchen.

Lelord hat mit diesem schmalen Roman seine Reihe über Hector begonnen. Ein nettes kleines Büchlein für heisse Tage. Nicht mehr aber auch nicht weniger. Auf dem Einband wird Elke Heidenreichs Schwur zitiert, dass man glücklich ist nachdem man dieses Buch gelesen hat. Meine Glücksgefühle sind da anscheinend anspruchsvoller, sie wollen berührt werden und dafür war mir das Buch dann doch irgendwie zu oberflächlich.

Die Stimmen sind ja sehr unterschiedlich aber ich bin auf der Coehlo Seite – seine Bücher haben mich glücklich gemacht, vorallem der Alchimist. Ebenfalls zu empfehlen wenn man es auch „esoterisch“ mag Ella Kensington und James Redfield.

Mein Lieblingsbuch dieses Jahr bisher hat neben Fernweh auch Glücksgefühle ausgelöst:

„Eat, Pray, Love“ von Elizabeth Gilbert

Wiedergelesen habe ich dieses Jahr und war sofort wieder verzaubert von Lucy Maud Montgomerys Anne – Reihe.

Francois Lelord: “ Hectors Reise oder die Suche nach dem Glück.“ München: Piper, 2004

gerade hab ich das Buch fertig gelesen und die beiden letzten Kapitel waren, obwohl sich die story über den ganzen roman stetig aufgebaut hat, doch so überraschend entsetzlich, dass mir die Luft weggeblieben ist, ich ewig dafür gebraucht habe und jetzt wie betäubt bin…..

…trotzdem muss ich dem Zitat aus der Zeitschrift Brigitte recht geben, dass dieser Roman „psychologisch, philosophisch und nicht zuletzt literarisch brillant (ist)…Man jagt durch dieses Buch, will es weitergeben und empfehlen, noch bevor man es zu Ende gelesen hat – und danach erst recht.“

Kurz zusammengefasst versucht Eva in Briefen an ihren Mann herauszufinden warum ihr Sohn Kevin kurz vor seinem 16. Geburtstag 9 Menschen in seiner Schule getötet hat.

Schon kurz nach der Geburt stellt Eva fest, dass die „natürliche“ Bindung zwischen ihr und Kevin nicht vorhanden ist – zu Beginn scheint dies für die Außenwelt nicht weiter schlimm, denn es gibt ein Wort dafür „prenatale Depression“ – der Alptraum jeder schwangeren Frau. Doch auch im Laufe der nächsten Jahre stellt sich diese Bindung nicht ein – weder bei Eva noch bei Kevin. Shriver bricht mit dem Mythos „der wunderbaren, zärtlichen, engen Beziehung zwischen Mutter und Kind“.

Die Beziehung zwischen Vater und Sohn ist das genaue Gegenteil: sie unternehmen viel gemeinsam, sind richtige Kumpels und Kevin wird immer von Franklin verteidigt – doch der Schein der perfekten Beziehung wird von Shriver aufgedeckt: Franklin kennt seinen Sohn nicht, er lebt mit ihm einfach seine Vorstellung von der glücklichen Familie ohne Rücksicht auf die Realität und Kevin hasst und verachtet ihn dafür.

Die Autorin stellt Fragen, denen wir uns alle eigentlich nicht stellen wollen obwohl sie durchaus begründet sind: Was passiert wenn mein Kind von Geburt an keinen Sinn im Leben sieht? Was passiert wenn ich mein Kind nicht lieben kann? Was, wenn mich mein Kind nicht liebt? Wieweit ist die Persönlichkeit eines Kindes von Geburt an geformt und was wenn ich darauf keinen Einfluss nehmen kann? Was, wenn mein Kind „böse“ ist und mir niemand glaubt? Was ist in unserer Gesellschaft ehrlich?

Shriver gibt niemandem die Schuld an der Tat Kevins, sondern versucht vielmehr ein dicht gewebtes Spinnennetz von Einflüssen und Auslösern darzustellen.

Bewunderung habe ich auch für die Autorin sich auf diesen Stoff soweit einzulassen.

Diesen Roman kann man nicht zusammenfassen sondern nur als wichtiges Buch, mit aktuellen Themen, dringend weiterempfehlen.

Lionel Shriver „Wir müssen über Kevin reden.“ Berlin: List, 2007

…leider wird dieses Thema noch immer nicht ausreichend in der Öffentlichkeit diskutiert …z.B. in kaum einer Kritik die ich über den Film „Blood Diamonds“ gelesen haben, wurde herausgearbeitet das sich dieser Film auch damit beschäftigt. Ich muss gestehen ich habe auch erst im Zuge einer Seminararbeit davon erfahren. Hier mal mein erster, kleiner Versuch Quellen dazu anzugeben:

auf 3 Sat kommt am 29.8. um 21:00 die Doko „Lost Children“ über Kindersoldaten in Uganda wurde leider durch eine Doku über die Copacabana ersetzt – soviel zum Thema öffentliche Diskussion……..

Buchempfehlungen:

Keitetsi, China: „Sie nahmen mir meine Mutter und gaben mir ein Gewehr.“ München 2003, Ullstein (autobiographisch)

siehe auch: www.chinakeitetsi.info


Ahmadou: „Allah muss nicht gerecht sein.“ München 2004, Goldstein

neu erschienen und noch nicht gelesen:

Beah, Ishmael: „Rückkehr ins Leben. Ich war Kindersoldat.“ Campus Verlag

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