Die Liebe zu Büchern war eine frühe. Als Kind wurde er manchmal um Mitternacht von einem Pagen gefunden, wie er immer noch las. Man nahm ihm das Wachslicht fort, und er züchtete Glühwürmchen, seinem Zweck zu dienen. Man nahm ihm die Glühwürmchen fort, und er hätte um ein Haar das Haus mit Zunder abgebrannt.

[…]Viele Menschen seiner Zeit, und mehr noch seines Standes, entgingen der Ansteckung und waren daher frei, ganz nach ihrem eigenen süßen Willen zu laufen oder zu reiten oder sich der Liebe hinzugeben. Aber andere wurden schon früh von einem Keim infiziert, der angeblich aus dem Blütenstaub der Asphodele geboren und aus Griechenland und Italien herbei geweht wurde und von so tödlicher Natur war, dass er die Hand erzittern ließ, die sich zum Schlag erhob, das Auge bewölkte, das seine Beute suchte, und die Zunge stammeln machte, die ihre Liebe erklärte. Es war die fatale Natur dieser Krankheit, die Realität durch ein Phantom zu ersetzen,[…]

Aber so war es, und Orlando saß für sich allein, lesend, ein nackter Mensch.

Woolf, Virginia: Orlando. Fischer TB Verlag. Frankfurt am Main: 2005 (S. 52)